Reinacher Preis 2016 geht ans Milchhüsli-Ehepaar

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Seit 30 Jahren betreiben Maria und Josef Leu das Milchhüsli an der Hauptstrasse. Ihr Angebot mit vielen regionalen Frischprodukten ist für Reinach eine Bereicherung. Der Gemeinderat ehrt das Ehepaar nun mit dem Reinacher Preis.

Beide stammen sie aus Bauernfamilien, sind viele Leute um sich herum von Kindsbeinen an gewöhnt und dass man nie Ferien machen kann. Er, Josef Leu, hat nach der Schulzeit eine Lehre als Käser und die Meisterprüfung gemacht, sie, Maria Leu, besuchte die Bäuerinnenschule und anschliessend die Handelsschule. 1979 haben sie geheiratet, anfangs der 1980er-Jahre war Josef Leu Angestellter bei der Molkerei Lanz in Biberist, 1984 kamen sie nach Reinach und waren im Milchhüsli als Angestellte der MIBA tätig, er als Betriebsleiter, sie als Mitarbeiterin, 1984 und 1988 kamen ihre beiden Töchter zur Welt.

Seit 1999 führen die beiden das Milchhüsli in Reinach selbstständig. Für Josef Leu ist das ein Glücksfall: «Ich bin gleichzeitig Einkäufer und Verkäufer, Finanzplaner, Personalchef, Treuhänder, Revisor, Hauswart und vieles mehr. Alles, was ich bin und gelernt habe, konnte ich in den vergangenen Jahren und bis heute anwenden. Und ich bekomme auch immer aktuell mit, was im Dorf so läuft.» Seine Augen strahlen, wenn er am Erzählen ist. Dabei hatte längst nicht alles so gut angefangen.

Schwieriger Start
Am Tag, als es in Schweizerhalle brannte, hatten sie ihre Eröffnung und schon nach einer Woche hätten sie den Bettel am liebsten wieder hinschmeissen wollen. Aber sie hatten beschlossen, sich ein Jahr Anlaufzeit zu geben und erst dann zu entscheiden, wie es weitergehen sollte. Gut, wie man heute weiss. Die Leute in Reinach, ja sogar in der ganzen Region, kennen und schätzen ihr Angebot mit den vielen saisonalen Frischprodukten aus der Region und dem eigens ausgesuchten Käse. «Coop und Migros waren für uns nie existenzbedrohend», so Leu, «die Eurokrise macht uns da schon eher zu schaffen». Und noch etwas nagt am Milchhüsli-Chef: «Es wird schwierig werden, in ein paar Jahren einen motivierten Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu finden». Nebst dem nötigen Kapital und Wissen über Lebensmittel, Geschäftsführung, Buchhaltung und vieles mehr, brauche es auch ein gutes Mass an Bescheidenheit und Durchhaltewillen. Es läuft nicht immer alles rund und gross in die Ferien fahren liege auch nicht drin.

Langjährige Tradition
In der 100-jährigen Geschichte des Milchhüsli hat sich vieles verändert, allein seit den letzten drei Jahrzehnten ist einiges anders: Damals war nur etwa die Hälfte des Angebots Frischprodukte und es gab auch noch zwei mobile Milchmänner, deren Chef Josef Leu bis 1995 war. «Aber auch das Umfeld hat sich verändert», so Leu weiter, «die Leute sind viel anspruchsvoller geworden, sie verlangen heute nach naturbelassenen Lebensmitteln, auch aufgrund der immer vielfältigeren Allergien. Und sie werden immer ängstlicher, bei den Eiern beispielsweise ist Hygiene heute wichtiger als Frische». Die Standards der Grossverteiler sind hoch, nicht nur bei den Produkten, sondern auch bei der Einrichtung und den Öffnungszeiten. Die Detailhändler müssen sich durch Nischenprodukte und Fachwissen nach der Decke strecken, um zu überleben. Maria und Josef Leu ist das in den letzten 30 Jahren gut gelungen. Das Milchhüsli leistet einen wichtigen Beitrag zur Belebung des Ortskerns von Reinach und bildet einen wertvollen Bestandteil des Angebots in der Gemeinde. Der Gemeinderat ehrt die beiden darum mit dem Reinacher Preis 2016.

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