Eidgenössisches Schwingfest: Zweifel bleiben

janiak
Heute hat der Basellandschaftlich Kantonale Schwingerverband (BLKSV) seine Machbarkeitsstudie zum Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) 2022 vorgestellt. Ich kenne die Ergebnisse dieser Machbarkeitsstudie noch nicht. Trotzdem habe ich grösste Zweifel, dass es sinnvoll ist, diesen Anlass in der Ebene zwischen Aesch und Reinach durchzuführen.

Um es vorweg zu nehmen. Ich bin weder gegen ein Schwingfest, noch habe ich Zweifel daran, dass ein solches im Gebiet Aesch / Reinach machbar ist. Machbar ist alles! Die Frage ist vielmehr: Stehen Kosten (eingeschlossen die Schäden an der Natur und am Landwirtschaftsland) in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen (dreitägiger Anlass)? Und: Gibt es nicht einen besseren Standort?

Wer einen solchen Anlass (200'000-250'000 Besucher an drei Tagen) mit so gewaltigen Auswirkungen realisieren will, des muss dies zusammen mit den Betroffenen, insbesondere den betroffenen Gemeinden, planen. Reinach ist neben Aesch die am stärksten tangierte Gemeinde. Bis heute hat es der BLKSV nicht für nötig befunden, uns in irgendeiner Art zu informieren; wir wissen nur, was wir aus den Zeitungen erfahren. Das ist schon mal ein ganz schlechter Start. Dass es den betroffenen Bauern nicht besser ergangen ist, ist ein kleiner Trost.

Es überrascht mich nicht, dass die Machbarkeitsstudie angeblich den Nachweis erbringt, dass die Veranstaltung machbar ist. Schliesslich wurde die Studie vom BLKSV in Auftrag gegeben (und von uns allen über den Lotteriefonds bezahlt – 100'000 CHF). Beim ersten Durchblättern habe ich aber eher den Eindruck, dass es sich um eine Propagandaschrift handelt. Wie sonst kommt man dazu, in einer Studie, die sachlich-neutral sein sollte, von Promis Werbespotts einzubauen («Highlight für ein bärenstarkes Baselbiet!» und ähnliches mehr)? Eine seriöse Prüfung der Natur- und Umweltverträglichkeit oder des Schutzes des Bodens muss von unabhängiger Seite vorgenommen werden, am besten unter Einbezug der Betroffenen und der Kritiker.

Wie weiter? Ich erwarte, dass wir jetzt endlich aus erster Hand informiert und in die weiteren Schritte einbezogen werden. Mit «wir» meine ich nicht nur Reinach, sondern mindestens alle Birsstadt-Gemeinden, die von diesem Event betroffen ist. Ich erwarte, dass die Auswirkungen von neutralen Fachleuten geprüft wird und nicht weitere Parteigutachten erstellt werden. Ich warte auch immer noch auf eine überzeugende Antwort, wieso nicht das Joggeli als Standort in Frage kommt, ist dort doch die Infrastruktur schon weitgehend vorhanden (ich weiss: das Stadion fasst nur 37'000 Besucher, aber das kann ja nicht das einzige Argument sein!).

Frühere Artikel: BZ_160813_Schwingfest, BZ_161019_Schwingfest, BZ_161026_Schwingfest, BZ_161101_Schwingfest, BZ_161109_., BZ_161105_Über 5000 Unterschriften gegen Schwingfest.

Medienecho: BZ_161110_Schwingfest in Aesch, BaZ_161110_Schwingfest in Aesch, BZ_161111_Schwingfest, BZ_161123_Schwingfest, BaZ_161203_Schwingfest.


Nach dem Schwingerverband scheint auch die Baselbieter Regierung einzusehen, dass das Gebiet zwischen Reinach und Aesch für ein Schwingfest nicht geeignet ist: BaZ_161222_Schwingfest.