Es geht mehr als nur um einen höheren Beitrag ans Theater

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Mein GP-Kollege aus Arlesheim, Kalle Zeller, hat mit einer Äusserung, die kürzlich in der BaZ zu lesen war, in ein Wespennest gestochen. Im Zusammenhang mit der umstrittenen Baselbieter Beitragserhöhung ans Stadttheater Basel meinte er: Sollte das Obere Baselbiet wieder einmal das Untere Baselbiet überstimmen und die Beitragserhöhung abgelehnt werden, dann werde Arlesheim zukünftig seinen Beitrag an den Finanzausgleich direkt ans Basler Theater überweisen, statt damit im Oberbaselbiet überdimensionierte Mehrzweckhallen zu finanzieren. «Das Theater liegt uns wesentlich näher als die Mehrzweckhallen im Oberbaselbiet.»

Natürlich weiss auch Kalle Zeller, dass dies nicht geht. Aber die Botschaft ist richtig und wichtig. Unteres und Oberes Baselbiet leben sich zunehmend auseinander und im unteren Kantonsteil staut sich langsam Frust auf. Einerseits fliessen Unsummen von Geld aus der Agglomeration aufs Land. Andererseits kümmert sich der ländliche Teil des Kantons nicht gross um die Bedürfnisse der Agglomeration und zeigt sich gar nicht solidarisch, wenn es um städtische Anliegen geht. Dies äussert sich nicht nur in den wiederholt abschätzigen Bemerkungen des Baselbieter Finanzdirektors, sondern auch etwa darin, dass die Gemeindepräsidentin von Gelterkinden, Christine Mangold, behauptet, Identität entstehe durch Abgrenzung – durch Abgrenzung von der Stadt. Deshalb müsse der Kanton eine eigene Kulturpolitik erarbeiten, die sich von jener der Stadt bewusst abhebe. Lassen wir mal die Frage beiseite, ob die ländliche Bevölkerung tatsächlich so eng denkt und sich unter Kultur nur Jodeln und Dorftheater, allenfalls noch Mundartdichtung vorstellen kann. Aber eine solche Äusserung ist ein Affront gegenüber der mehr städtisch ausgerichteten Bevölkerung in der Agglomeration – abgesehen von den vorstädtischen SVP-Anhängern.

Die Mehrheit der Bevölkerung in der Agglomeration hat eine enge und unverkrampfte Beziehung zur Stadt Basel und nutzt gerne die städtischen Angebote in Sport, Kultur und Einkaufen. Es gehört zur Lebensqualität der Agglomeration, dass städtische und ländliche Qualitäten eng beieinander liegen. Wer ständig versucht, einen Keil zwischen die Stadt Basel und die Baselbieter Agglomeration zu treiben, der missachtet die Bedürfnisse der hiesigen EinwohnerInnen. Es kann nicht sein, dass man immer nur nach dem Geld der reicheren Agglomerationsgemeinden lechzt, aber gleichzeitig deren Anliegen nicht Ernst nimmt. Das Referendum gegen den höheren Kantonsbeitrag ans Stadttheater ist nur ein Beispiel für diese Ignoranz. Das Abstimmungsergebnis zu Harmos (Annahme in der Agglomeration, Ablehnung auf dem Land) wäre ein zweites Beispiel, und der überbordende Finanzausgleich ein drittes.

Letztlich gibt es nur zwei Perspektiven, wenn man die Vereinigung der beiden Basel weiterhin nicht will: Entweder respektiert der ländliche Kantonsteil die Bedürfnisse der Agglomeration und unterstützt ein harmonisches Miteinander von Stadt- und Landkanton. Oder in der Agglomeration werden Gedankenspiele über eine Verschiebung der Kantonsgrenze Richtung Hülftenschanze immer populärer.

Bei all diesen grundsätzlichen Gedanken das Naheliegende nicht vergessen: Ja zum Theaterkredit!

Der Artikel in der BaZ: BaZ_110129_Theater, BaZ_110209_Zeller.