Reinach kann sich kein eigenes Hallenbad leisten

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Reinach soll sich ein eigenes Hallenbad bauen. Das fordern die Initianten von «Pro Hallenbad» (Abstimmung vom 18. Mai 2014). Sicher, es wäre schön und würde die Attraktivität Reinachs erhöhen, wenn wir hier ein Hallenbad anbieten könnten. Aber wir können uns schlicht und einfach kein Hallenbad leisten!

Zweifellos ist es wünschenswert, wenn eine Gemeinde nicht nur ein Gartenbad, sondern auch ein Hallenbad hat. Und am besten auch noch eine Eisbahn oder ein Velodrom. Aber man muss sich eine solche Anlage auch leisten können. Da sind einerseits die Baukosten von mindestens 25-30 MCHF. Aber, und das wird oft vergessen, fast noch schwerwiegender sind die jährlichen Folgekosten, die nach Berechnungen des Gemeinderates gut 1.8 MCHF betragen würden. Der Zufall will es, dass der Gemeinderat am letzten Montag dem Einwohnerrat ein Sparpaket übergeben hat. Dieses enthält zahlreiche schmerzhafte Einsparungen. Werden sie alle realisiert, dann sparen wir gerade mal 1.7 MCHF pro Jahr ein. Mit anderen Worten: Alleine die Folgekosten für ein Hallenbad würde alle Sparanstrengungen gleich wieder zunichte machen.

Es sprechen aber nicht nur finanzielle Argumente gegen die Initiative:

Finanzielle Beteiligungen sind nicht in Sicht
Sämtliche bisherigen Gespräche mit möglichen kommunalen Partnern sind erfolglos verlaufen. Es ist nicht anzunehmen, dass die Begeisterung nach der Erarbeitung eines Projekts grösser ist, denn der Spardruck ist momentan überall gross. Finanzielle Unterstützung ist also mehr als unsicher.

Lieber bestehende Anlagen aufwerten
In der Gesamtschau der Gemeindesportanlagen gibt es dringendere Massnahmen als den Bau eines Hallenbads. Es ist sinnvoller, die bestehende Sportinfrastruktur überall zu modernisieren, damit sie vielseitig und für verschiedene Sportarten genutzt werden kann, als eine so grosse Investition in eine einzige Anlage zu tätigen.

Es gibt genügend Hallenbäder in der Region
Dass es in jeder Gemeinde ein Hallenbad gibt, ist nicht zwingend notwendig. Auch regelmässiger Schwimmunterricht ist nicht obligatorisch. Gemäss Lehrplan müssen die Schulen „sporttechnische Fähigkeiten im Wasser“ vermitteln - wo und wie oft ist nicht vorgeschrieben. Das Schwimmangebot ist deshalb eine regionale Angelegenheit. Mit den Möglichkeiten in Muttenz, im Leimental und in Basel ist das Angebot regional ausreichend.

Beim Gartenbad wird‘s umso teurer
Der Standort des Hallenbads beim Gartenbad, wie von den Initianten gefordert, ist zwar verlockend und würde zu Synergien führen. Falls ein Hallenbadneubau dort überhaupt möglich ist, entstehen aber zusätzliche Kosten wegen den Auflagen zum Grundwasser- und Naturschutz und der schwierigen Topografie. Unter dem Strich wird das Hallenbad an diesem Standort teurer als es anderswo sowieso schon wäre.

Umweltschutz kommt vor Wellness
Beim Gartenbad würde das Hallenbad in der Grundwasserschutzzone stehen. Möglicherweise müsste Wald gerodet werden und der Verkehr im Aumattquartier würde deutlich zunehmen. Diese Eingriffe sind nicht gerechtfertigt für eine Anlage, die zwar wünschenswert, aber nicht notwendig ist.

(Die Abbildung zeigt ein mögliches Reinacher Hallenbad, wie es Studierende der Fachhochschule Burgdorf entworfen haben.)
Abstimmungszeitung: Abstimmungszeitung-Hallenbad-1.pdf.

Medienecho: BZ_140424_Hallenbad_Reinach, WoBla_140502_Hallenbad, Telebasel.


Welche finanzielle Last ein Hallenbad darstellen kann, zeigt sich in Binningen. Binningen sieht sich gezwungen, das Hallenbad aus Kostengründen zu schliessen: bz_140514_HallenbadBinningen, bz_150514_HallenbadBinningen.