Das Hallenbad – die unendliche Geschichte

hb
Einmal mehr hat der Promotor des Hallenbades die Chance vergeben, seinem Ziel einen Schritt näher zu kommen. Mit dem Argument, das Hallenbad solle nicht zu einem Wahlkampfthema werden, hat er seinen eigenen Vorstoss, und jenen der SP, auf einen Termin nach den Gemeindewahlen hinausgeschoben (Postulat Nr 443). Das ist scheinheilig und schade.

Scheinheilig deshalb, weil anderntags das Pro Hallenbad-Kommittee eine Medienmitteilung verschickte mit dem Hinweis auf die Aktivitäten ihres «BDP-Einwohnerrats und Gemeinderats-Kandidaten Beat Böhlen». Wenn das nicht Wahlkampf pur ist. Aber sei's drum. Ich sehe auch gar nicht ein, wieso das Hallenbad kein Wahlkampfthema sein soll. Wieso sollen sich die vielen Kandidierenden nicht dazu äussern, ob sie ein Hallenbad wollen oder nicht? Wie sollen WählerInnen wählen, wenn sie nicht wissen wie Kandidierende denken?

Schade deshalb, weil sich langsam ein gangbarer Weg abzeichnet. Herr Böhlen hat es durch seine beharrliche Art und Weise fertig gebracht, dass das Hallenbad zu einem Thema geworden ist. Das ist bewundernswert und löblich. Andererseits beharrt Herr Böhlen derart stur auf «seinem» Projekt und «seinem» Weg, dass er langsam zum Hindernis für ein mögliches Hallenbad wird. Er reichte eine Motion ein mit sehr spezifischen und einengenden Forderungen. Abgesehen davon, dass die Motion das falsche Instrument ist, um ein Hallenbad zu prüfen (dazu dient das Postulat), macht es auch keinen Sinn, jetzt schon festzulegen, mit wem der Gemeinderat was besprechen und planen soll.

Richtig wäre vielmehr, wenn sich der Einwohnerrat überlegen würde, was er eigentlich möchte: Will er ein nationales Wettkampfzentrum mit 50m Becken? Oder sollen in erster Linie Schulen im Sportunterricht die Gelegenheit zum Schwimmen haben? Oder soll Familien aus dem Birstal ein öffentliches Hallenbad, ev. ergänzt mit anderen Freizeiteinrichtungen, bereitgestellt werden? Diese Fragen sind zentral. Ein Hallenbad mit 50m Becken ist ein sehr teures Projekt, das von den Kantonen der Nordwestschweiz initiiert und getragen werden muss, nicht von der Gemeinde Reinach. Ein Hallenbad, das primär den SchülerInnen dienen soll, muss möglichst nahe bei den Schulhäusern liegen, stünde aber der Öffentlichkeit nur in den Randzeiten zur Verfügung. Dafür wäre aber sicher einiges billiger als ein Hallenbad, das den regionalen Bedarf abdeckt. Dieses müsste sehr gut mit ÖV und Auto erreichbar sein, bräuchte dafür aber nicht so nahe bei den Schulanlagen zu liegen. Ein Hallenbad, das v.a. den Reinacher Schulen dient wäre zwar billiger, dafür ist es aber unwahrscheinlich, dass sich Nachbargemeinden an den Kosten beteiligen werden, während ein regionales Hallenbad zwingend zusammen mit den Birsstadtgemeinden geplant und gemeinsam finaziert werden müsste. Usw. Diese Fragen zeigen, wie wichtig es ist, dass man sich zuerst überlegen muss WAS man will und erst dann entscheiden kann, WIE man vorgehen will.

Ich weiss noch nicht, ob sich Reinach ein Hallenbad leisten kann und wenn ja, welches. Eine Umfrage, welche die Gemeinde kürzlich durchgeführt hat, hat gezeigt, dass zwar viele EinwohnerInnen ein Hallenbad wünschen, aber nur, wenn es zu keinen Steuererhöhungen führt. Das beweist, wie wichtig es ist, dass das Hallenbad nicht isoliert betrachtet wird. Gegenwärtig erarbeitet die Gemeinde das GESAK, das Gemeindesportanlagenkonzept. Das GESAK zeigt, welche Anlagen in Reinach vorhanden sind und welche Unterhalts- und Erneuerungsarbeiten (und -kosten) in den nächsten Jahren auf uns zukommen. Es hält auch fest, welche neuen Wünsche für Sport- und Freizeiteinrichtungen bestehen und was diese kosten würden. Darauf basierend können dann Gemeinde- und Einwohnerrat überlegen, was sich die Gemeinde in den nächsten Jahren leisten kann und entsprechende Prioritäten setzen. Die Ergebnisse des GESAK fliessen in den nächsten «Strategischen Sachplan Freizeit und Kultur» ein, werden verbindlich und können umgesetzt werden. Der Haken ist allerdings, dass das GESAK im Sommer und der Strategische Sachplan im Herbst erstellt werden müssen. Mit dem Entscheid, die Hallenbad-Debatte auf die Zeit nach den Wahlen zu verschieben, kann es sein, dass ein «Hallenbad-Entscheid» nicht mehr rechtzeitig zustande kommt, um ihn im GESAK und Sachplan zu berücksichtigen. Auch das wäre schade und unnötig.

Das tönt alles sehr kompliziert, komplizierter als es in Wirklichkeit ist. Wenn unsere Steuergelder aber effizient und effektiv eingesetzt werden sollen, dann braucht es eine sorgfältige Abwägung und Planung. Hüst und Hott Entscheide können wir uns nicht mehr leisten. Und wenn den Hallenbad-Promotoren das Ganze zu langsam geht oder zu kompliziert ist, dann haben sie ja immer noch die Möglichkeit eine Volksinitiative zu starten. Wenn die Mehrheit der Stimmenden beschliesst, dass Reinach dringend ein Hallenbad braucht und auch bereits ist, dafür zu bezahlen – koste es was es wolle – dann ist das auch eine klare Ausgangslage.