50 Johr Stadt Rynach

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Ich erinnere mich noch bestens ans Stadtfest 1965. Über tausend Schülerinnen und Schüler inszenierten in einem grossen Festumzug die Geschichte Reinachs. Unsere Klasse trug einen Ochsen und einen Grenzstein auf den Schultern durchs Dorf. Wir sollten der Bevölkerung vor Augen führen, dass die Therwiler anno dazumal die Grenze zwischen den beiden Gemeinden zu Ungunsten Reinachs verschoben haben sollen.

Heute ist ein solcher historischer Umzug unvorstellbar. Trotzdem ist ein 50-Jahr-Stadtfest, wie wir es 2015 feiern, eine gute Gelegenheit, sich die Veränderungen in der eigenen Gemeinde wieder einmal vor Augen zu führen. Was war damals? Wie ist es heute?

Damals war vieles kleiner und bescheidener: Die Gemeindesteuer betrug 2.1% des Einkommens (ich weiss, das kann man natürlich so nicht vergleichen) und die durchschnittliche Miete einer Wohnung (mit Bad!) lag bei 322 Franken im Monat. Dafür bekommen Sie heute noch etwa 15 m2 Wohnung!

Vieles ging aber auch schneller als heute: Zwischen 1950 und 1965 verdoppelte sich die Bevölkerungszahl alle fünf Jahre – und damit auch der Bedarf an Schulraum, Kindergärten, Strassen etc. Die letzte Verdoppelung hingegen, jene von 10'000 auf 20'000, hat über 50 Jahre gebraucht. Geplant wurde Reinach 1965 übrigens für 37'000 Bewohner – dazu wäre eine weitere Verdoppelung nötig.

Vieles war ganz anders als heute: Statt eines Einwohnerrates gab es noch die Gemeindeversammlung und Frauen durften weder wählen noch abstimmen. 1965 gab es noch eine Aktion zur Abgabe von verbilligten Kartoffeln an Minderbemittelte und ein provisorischer Sendemast zur Prüfung des Fernsehempfangs wurde auf dem Rebberg errichtet.

Vieles ist aber unverändert geblieben: Die Gemeinde stöhnte unter der Finanzlast und beklagte, dass alle Mehreinnahmen der Zuzüger in neue Schulhäuser investiert werden müssten. Beim «Einkaufs-Centre im Surbaum» reklamierte man die «Parkplatzmisère» und das zweite Schwimmbecken des Gartenbades musste wegen der Konjunkturschwäche zurück gestellt werden.

Diese Beispiele sind natürlich anekdotisch und geben nicht die wirklich wesentlichen Veränderungen der letzten fünfzig Jahre in Reinach wieder. Für mich wäre es in erster Linie der Wandel von der Schlafgemeinde zum attraktiven Wohn- und Arbeitsort Reinach. Wurde 1965 in Reinach geschlafen und in Basel gearbeitet, so leben heute gleich viele Erwerbstätige in der Gemeinde, wie es Arbeitsplätze gibt. Reinach ist heute nicht mehr «ländlich», wie der Gemeinderat 1965 in seinem Jahresbericht geschwärmt hat, sondern Teil der Agglomeration Basel, Zentrum der Birsstadt, «die Stadt vor der Stadt». Dieser Entwicklungsprozess hatte und hat natürlich Folgen: Die Bevölkerung ist vielfältiger und internationaler geworden. Die Ansprüche an die Leistungen und Infrastrukturen der Gemeinde sind gestiegen. Erwartet werden, nicht immer widerspruchsfrei, Naturnähe und Landschaft genauso wie städtische Dienstleistungs- und Einkaufsangebote oder Sport- und Kultureinrichtungen. Die grosse Beliebtheit des Wohn- und Arbeitsortes Reinach zeigt mir aber, dass wir diesen Spagat wahrscheinlich gar nicht so schlecht meistern.

Hier geht es zur offiziellen Website «50 Johr Stadt Rynach».

Ein besonderes Highlight: Ein Blick hinter die Kulissen der Gemeinde Reinach. Und wenn Sie gerne mit mir und meinen GemeinderatskollegInnen ins Gespräch kommen möchten, dann trinken Sie mit uns ein Glas an der Gemeinderats-Bar im Eingangsbereich.

Blick hinter Kulissen-2

An ihrem Tag der offenen Tür am 5. September kann die Bevölkerung einmal hinter die Kulissen schauen lässt. Besucherinnen und Besucher können das Modell von Reinach aus der Vogelperspektive betrachten, sich einmal wie eine Königin oder ein König fühlen, Selfies mit Blaulicht machen, Büchsen mit der Feuerwehrkesselpumpe abschiessen, erfahren, wieviel jemand, der von der Sozialhilfe unterstützt wird, pro Tag zur Verfügung hat, Steuereinnahmen den Ausgaben auf einer Waage entgegenstellen, erfahren, warum in der Politik alles so lange dauert, dass hinter den weltweiten Migrationsströmen Gesichter stecken, welche einschneidenden Konsequenzen ein Stromausfall hat und noch vieles mehr. Ein Wettbewerb mit „offenem Haus“ führt das Publikum durchs Gemeindehaus. Die Gemeindemitarbeitenden haben jede Menge anschauliche, interessante, manchmal auch witziger Ideen entwickelt, Plakate gestaltet und Ausstellungsgegenstände zusammengetragen. Planen Sie einen Besuch ein, es wird sich lohnen!

Medienecho: BZ.