Ich weiss, es denken nicht alle so...

…aber offenbar doch einige. Eine Gemeindeversammlung in Oberdorf BL gibt mir zu denken.

Viele Empfängergemeinden sind nicht glücklich darüber, dass sie auf Geld aus dem Finanzausgleich angewiesen sind. Sie versuchen, aus eigener Kraft und viel Engagement ihre Situation zu verbessern. Statt zu Jammern nehmen sie das Schicksal selber in die Hand und versuchen durch regionale Zusammenarbeit oder durch gemeinsame Entwicklungsplanung Kosten zu senken und Einnahmen zu erhöhen, kurz, ihre Zukunftsperspektiven zu verbessern. Das verdient Lob und Anerkennung.

Ein solches Projekt ist das Modellvorhaben «Zukunft Frenkentäler» (14+Frenkentaeler_Wirtschaft_v2), mit dem die strukturschwache Region wirtschaftlich gestärkt werden soll. Derzeit arbeiten zwölf Gemeinden im Dreieck Liestal-Reigoldswil-Waldenburg am Projekt mit. An besagter Gemeindeversammlung in Oberdorf wurde das Vorhaben vorgestellt mit dem Ziel, der Gemeinde die Mitarbeit schmackhaft zu machen und eine finanzielle Beteiligung von 60 TCHF zu erwirken. Doch statt die Gelegenheit zu packen und die Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen, wurde laut Bericht der BZ das Vorhaben als zu unklar und kompliziert kritisiert und eine Beteiligung abgelehnt (BZ_150624_Oberdorf).

Nächstes Traktandum war ein Beitrag der Gemeinde an die Infrastruktur des FC Oberdorf. Diesem Betrag wurde zugestimmt. Dabei liess sich ein Teilnehmer – immer gemäss Zeitungsbericht – zur Bemerkung hinreissen: «Wer kann schon gegen diesen Beitrag sein, wenn das Unterbaselbiet den FC Oberdorf sponsert.». Oberdorf ist eine Nehmergemeinde.

Es mag ein dummer Zufall und ein noch dümmerer Ausspruch eines Einzelnen gewesen sein. Trotzdem: Irgendwie passen die beiden Episoden zusammen: Wenn es darum geht, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, Verantwortung zu übernehmen, Risiken einzugehen und sich auf ein Vorhaben mit unklarem Ausgang einzulassen, dann überwiegen die Zweifel und Bedenken, dann siegen die Verzagten. Für den FC hingegen hat man Geld und spottet auch noch über die tumben Gebergemeinden. Der Journalist schliesst mit der Bemerkung: «Ob diese Äusserung bei Gebergemeinden gut ankommt, ist zu bezweifeln.». Diesem Fazit kann ich mich anschliessen. Dem Modellvorhaben «Zukunft Frenkentäler» hingegen wünsche ich gutes Gelingen. Ich gratuliere allen Beteiligten zu Ihrem Engagement und Mut. Die Aufgabe ist schwer und es braucht viel Zuversicht, sich auf ein solches Projekt einzulassen.

Stellungnahme des Gemeindepräsidenten von Oberdorf, Ewald Fartek
Auf Wunsch meines Amtskollegen aus Oberdorf veröffentliche ich nachfolgend seine Stellungnahme, die m.W. auch als offener Brief an die Medien ging: Stellungnahme_Fartek. Der Bericht dazu in der BZ: BZ_150723_Oberdorf.

Dass Zusammenarbeit schwierig ist, muss auch das Leimental erleben (BZ_150723_Leimental). Wenn eine Gemeinde immer nur dann zur Zusammenarbeit bereit ist, wenn sie ihr nützt und wenn sie ihre Haltung durchsetzen kann, dann wird es schwierig. Diese Erfahrung haben wir auch in der Birsstadt gemacht. Zusammenarbeit verlangt eine hohe Bereitschaft, Kompromisse zu finden, sich auch mal unterzuordnen. Und weil nicht jede Gemeinde die gleichen Bedürfnisse und Möglichkeiten hat, kann es auch Sinn machen, dass fallweise nur ein Teil der Gemeinden in einem bestimmten Projekt zusammenarbeiten (z.B. im Gemeindepolizeiverbund oder bei der Spitex).

Noch ein interessanter Ansatz
Läufelfingen gehört ebenfalls zu den Gemeinden, die sich aktiv für eine lebendige Gemeinde einsetzen. Interessanter Ansatz (BaZ_150818_Laeufelfingen).