Gemeinsame Planung in der Birsstadt

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Die Entwicklung der Birsstadt muss in Zukunft von allen neun Gemeinden gemeinsam geplant werden. Das ist das Fazit der der diesjährigen Birsstadt-Tagung.

Gemeinsame Raumplanung oder gar eine Regionalplanung hat im Birstal, wie auch im Rest des Kantons, keine Tradition – leider. Bisher hat jede Gemeinde weitgehend für sich selber geplant. Dass dies auf die Dauer nicht gut gehen kann, ist den GemeindepräsidentInnen der Birsstadt klar. Aber es mangelt nicht nur an der koordinierten Planung zwischen den Gemeinden. Auch die Planungen des Kantons sind zu wenig auf jene der Gemeinden abgestimmt. Das hat das aktuelle Beispiel der Verdichtungsstudie gezeigt (verdichtungsstudie). Diese geht davon aus, dass bis 2030 ca. 14'000-15'000 zusätzliche EinwohnerInnen in der stadtnahen Agglomeration leben werden (Leimental-Allschwil, Birstal/Laufental und im Rheintal/Ergolztal). Aber wo genau? Sind in den Planungen der Gemeinden entsprechende Reserven vorgesehen? Diese Frage stand am Anfang der Birsstadt-Tagung 2012, an der traditionell alle GemeinderätInnen der Birsstadt-Gemeinden teilnehmen.

Um das Resultat vorwegzunehmen: Nein! Alle Gemeinden präsentierten an der Tagung ihre aktuellen Planungen. Diese sehen grob Wohnraum für zusätzliche 9'000 EinwohnerInnen vor. Allerdings ist dabei nicht berücksichtigt, dass auch die bereits hier lebenden EinwohnerInnen jährlich einen zusätzlichen Flächenbedarf von etwa 0.5 m2 / Person haben, sei dies aus demographischen Gründen, sei dies wegen gesteigerten Ansprüchen. Mit anderen Worten: Wahrscheinlich reichen die Wohnraumreserven nur aus, um die bereits hier lebende Anzahl EinwohnerInnen zu halten. Das ist weiter auch nicht erstaunlich. Die Verdichtungsstudie des Kantons zeigt nämlich, dass zusätzliche 15'000 Leute nur untergebracht werden können, wenn die Bauzonen massiv verdichtet werden. Massiv verdichten bedeutet Ausnützungsziffern von 150 - 180%. Zum Vergleich: Die geplante Überbauung «Alter Werkhof» in Reinach hat eine AZ von 128%. Ob AZ von 150 oder gar 180% politisch akzeptiert werden, ist eine andere Frage, wenn man sich vor Augen führt, welche Überzeugungsarbeit nötig war, nur um die moderaten 128% beim «Alten Werkhof» realisieren zu können. Dennoch werden wir uns mit diesem Thema beschäftigen müssen: In Reinach ist der Wohnraummangel bereits heute so gross, dass wir EinwohnerInnen verlieren. Das gilt es zu verhindern. Ob die Zukunft bei den Hochhäusern liegt, wie die Tageswoche dies in ihrer Ausgabe vom 20.1.2012 postuliert, ist eine andere Frage. Tatsache ist, dass das spektakuläre Hochhaus von Münchenstein «nur» eine Ausnützungsziffer von 100% hat, da es von viel freier Fläche umgeben ist. Hochhäuser haben nur eine hohe Ausnützungsziffer, wenn sie entsprechend eng stehen.

Die Zusammenstellung der aktuellen Planungen hat aber noch etwas anderes gezeigt. Während wir wahrscheinlich auch in Zukunft zuwenig Wohnraum haben, entstehen gleichzeitig sehr viele neue Arbeitsplätze: Gegen 19'000 neue Arbeitsplätze könnten in den nächsten Jahren in der Birsstadt realisiert werden, wenn es nach den Planungen der Gemeinden ginge. Das könnten zu viele sein. Bereits heute stösst die Verkehrsinfrastruktur an ihre Grenzen. Zusätzliche 19'000 Arbeitsplätze können ohne massiven Ausbau der Infrastruktur – MIV und ÖV – nicht verkraftet werden. Das hat auch das Projekt MARDA gezeigt, das derzeit bei den Gemeinden in Vernehmlassung ist.

Schon diese beiden Beispiele – zuwenig Wohnraum und zuviel Industrie- und Gewerbeflächen – zeigen, wie wichtig es ist, dass die Birsstadt-Gemeinden in Zukunft mehr gemeinsam planen. Dies wird nicht einfach sein, da, wie oben erwähnt, die Regionalplanungsebene im Baselbiet keine Tradition hat. Dabei kann es nicht nur um eine bessere Koordination gehen. Auch Fragen nach dem Abtreten von Kompetenzen an eine neue Planungsebene oder dem Lasten-Nutzen-Ausgleich müssen gestellt werden. Nichts desto Trotz müssen wir uns dieser Herausforderung stellen. Die GemeindepräsidentInnen werden an ihrer nächsten Sitzung darüber beraten müssen, wie man vorgehen könnte. Eine spannende Aufgabe!

Medienecho: BaZ_120121_Verdichtung, , BZ_120207_Zersiedelung, BaZ_120111_Verkehrskonzept.