Hallenbad – wie weiter?

An seiner September-Sitzung hat sich der Einwohnerrat intensiv mit dem Projekt eines 50m-Hallenbades in Reinach beschäftigt. Nach langer Diskussion beschloss der Einwohnerrat, den Bericht des Gemeinderates zur Kenntnis zu nehmen und den Auftrag als erledigt abzuschreiben.

Die Vorgeschichte ist lang und unglücklich. Eine engagierte Gruppe von Leuten («Pro Hallenbad») möchte gerne in Reinach ein Hallenbad mit einem 50m-Schwimmbecken. Ihr Vertreter im Einwohnerrat, Beat Böhlen, reichte im April 2010 ein Postulat ein, mit dem der Gemeinderat beauftragt wurde einen Standort beim heutigen Gartenbad, und allenfalls einen Ersatzstandort, zu prüfen. Obwohl ich ihm dringend riet, den Auftrag breiter zu fassen, z.B. auch Standorte ausserhalb Reinachs in Betracht zu ziehen und die Birstal-Gemeinden in die Evaluation einzubeziehen, setzte Beat Böhlen seine Version stur durch (Überweisung Postulat). Auftragsgemäss prüfte der Gemeinderat zusammen mit der Fachhochschule Bern die Standorteignung und kam zum Schluss, dass sich weder der Standort beim Gartenbad noch ein alternativer Standort im Fiechten für ein so riesiges Projekt eignen (Bericht). Das ist weiter nicht verwunderlich: Wer so viele Rahmenbedingungen so eng setzt, wie dies Beat Böhlen gemacht hat, darf sich nicht wundern, wenn es keine Lösung gibt.

Wie könnte es weitergehen? Ich meine, dass das Projekt völlig verkehrt aufgegleist wurde. Zuerst müsste doch geklärt werden, wer denn ein solches Hallenbad braucht, resp. wozu es dienen soll. Hallenbäder mit 50m-Schwimmbecken gibt es nur ganz wenige in der Schweiz. Sie werden in erster Linie für Schwimmsportler und für Wettkämpfe benutzt. Ein so teures Projekt, das Investitionen von 30-90 MCHF auslösen und jährliche Kosten von vielleicht 5 MCHF mit sich bringen würde, muss aus nationaler oder zumindest aus Nordwestschweizer Sicht geplant werden: Besteht überhaupt Bedarf? Wer könnte Träger sein? Welche Bedingungen sind an den Standort zu stellen? Diese und weitere Fragen müssten in einer Arbeitsgruppe geklärt werden, der Vertreter der Kantone, des Bundes und des Schwimmsportes angehören. Gemeinden gehören zumindest am Anfang nicht in ein solches Gremium. Ist der Bedarf erwiesen und sind geeignete Standorte gefunden, dann ist es immer noch Zeit, mögliche Standortgemeinden einzubeziehen. Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn wirklich ein Hallenbad mit einem 50m-Schwimmbecken gebaut werden soll, dann müssen die nächsten Schritte nicht von der Gemeinde Reinach, sondern mindestens von den Kantonen der Nordwestschweiz ausgehen.

Wenn es aber gar nicht um die Bedürfnisse des Schwimmsportes geht, sondern mehr um jene der lokalen Bevölkerung und der Schulen, dann braucht es auch kein 50m-Becken, dann reicht ein kleineres (und weniger teures) Hallenbad mit vielleicht einem 25m-Becken. Ein solches Projekt könnten die Gemeinden einer Region, beispielsweise des Birstals, gemeinsam angehen. Auch ein solches Projekt muss heute zwingend gemeindeübergreifend angegangen werden. Es ist kein Zufall, dass verschiedene Gemeinden ihre Hallenbäder aus Kostengründen wieder schliessen. Reinach könnte für ein solches überkommunales Projekt die Initiative ergreifen und auf die anderen Gemeinden zugehen, abklären, ob sie an einem gemeinsamen Hallenbad interessiert wären. Aber auch ein Hallenbad mit 25m-Becken wird ein teures Projekt – im Bau, im Unterhalt und auch schon in der Planung. Allein die Planung würde sicher mehrere Hunderttausend Steuerfranken kosten. Ich kann ein solches Projekt nur mittragen, wenn dies der Wille der Bevölkerung ist. Kurz: Wenn die Pro-Hallenbad-VertreterInnen ein lokales Hallenbad wollen, dann sollen sie eine Volksinitiative starten und in einer Volksabstimmung abklären, ob die Mehrheit der Bevölkerung dieses Projekt weiter verfolgen möchte. Dann hätten wir eine klare Ausgangslage!

Medienecho: WoBla, BaZ_110928_Hallenbad.