Konkurrenz belebt das Geschäft

Hi-Endress_Hauser2
Klaus Endress, verdientes Mitglied des Einwohnerrates Reinach und langjähriger CEO der Endress + Hauser Gruppe, möchte gerne Gemeinderat und vielleicht auch Gemeindepräsident werden. So hat er sich in einem Interview mit der Zeitung «Der Sonntag» geäussert (Sonntag_210713_Endress).

Was ich denn zur neuen Konkurrenz meine, wollte anschliessend der Journalist von mir wissen. Nun, ich meine: Einen erfahrenen Geschäftsmann wie Klaus Endress im Gemeinderat zu haben, ist sicher eine Bereicherung. Je vielfältiger ein Gemeinderat zusammengesetzt ist, desto besser. Und sollte er sich tatsächlich fürs Präsidium bewerben, dann kann ich nur sagen: Konkurrenz belebt das Geschäft. Es ist immer gut, wenn die WählerInnen eine Auswahl haben.

Nur eines kann ich Klaus Endress schon jetzt sagen: Eine Gemeinde ist keine Firma und sie lässt sich auch nicht wie eine solche leiten. Seiner Kritik am jetzigen Gemeinderat entnehme ich, dass ihm in der Gemeindepolitik alles zu langsam und zu wenig radikal geht. Das empfinde ich oft auch so. Aber in einer Firma kann der CEO, v.a. wenn er gleichzeitig noch der Besitzer ist, schnell und konsequent beschliessen und umsetzen. In einer Gemeinde geht das nicht so einfach, da müssen immer wieder Mehrheiten gefunden werden, da muss viel Überzeugungsarbeit geleistet werden und oft hat nur ein Kompromiss überhaupt eine Chance, akzeptiert zu werden. Und über allen Entscheiden schwebt immer das Damoklesschwert eines Referendums.

Es ist kein Zufall, dass die meisten erfolgreichen Wirtschaftsleute als Exekutivpolitiker scheitern oder nur geringe Wirkung zeigen. Auch ich habe lernen müssen, dass eine Gemeinde keine Firma ist, als ich den Schritt vom Unternehmer zum Politiker gemacht habe. Aber ich bereue es nicht: Es ist eine spannende und interessante Herausforderung, einer Gemeinde als Präsident vorstehen zu dürfen. Ich kann Klaus Endress verstehen, wenn er mich um diese Aufgabe beneidet.

Aber auch wenn eine Gemeinde nicht wie eine Firma funktioniert, so heisst das noch lange nicht, dass die Verwaltung nicht gut und effizient arbeitet. Ich kenne manche Firma, die bezüglich Qualität, Effizienz oder Kundenfreundlichkeit der Gemeindeverwaltung Reinach nicht das Wasser reichen kann. (Im übrigen, lieber Klaus, ehren auch wir alle MitarbeiterInnen, die 10 oder mehr Jahre bei uns sind. Eine Dankeskarte erhalten sie sogar schon nach 5 Jahren…).

In einem Punkt gebe ich Klaus Endress recht: Die Hauptaufgabe der Gemeinde besteht nicht in Wirtschaftsförderungsaktionismus, sondern darin, gute Rahmenbedingungen für Firmen und Arbeitende zu schaffen. Dazu gehören Schule, Infrastruktur, ÖV, Zonenbestimmungen, aber auch hohe Wohnqualität. Gemeinderat und -verwaltung beziehen ihr Wissen über die Bedürfnisse der Reinacher Firmen natürlich nicht nur aus den Besuchen bei Endress + Hauser, die laut Endress alle zwei Jahre stattfinden. Vielmehr besuche ich zusammen mit dem Leiter der Allgemeinen Verwaltung regelmässig alle wichtigen und interessierten Firmen in Reinach. Auch wir könnten problemlos die zehn wichtigsten Kunden der Gemeinde aufzählen – aber das dürfen wir natürlich nicht, da ja immer noch das Steuergeheimnis gilt.

NB: Das nebenstehende Foto entstand am Aufrichtefest des neuen Hauptgebäudes der Endress + Hauser in Reinach. Der Anlass ist mir nicht zuletzt deshalb in guter Erinnerung geblieben, weil die Bauherrschaft das Reinacher Bauinspektorat für seine schnelle und kompetente Arbeit beim Baubewilligungsverfahren lobte. Das hört man gern!